im Osteland Gesundheitszentrum Hemmoor Praktische Vorgehensweise von INPP Bevor das Kind Bewegungsübungen zum täglichen Training bekommt, bedarf es einer ausführlichen Anamnese, Gespräche und einem umfangreichen Testverfahrens mit dessen Hilfe man auf Reste frühkindlicher Reflexe schließen kann. Eltern, Kind und der neurophysiologische Entwicklungsförderer verbringen viel Zeit miteinander und lernen sich dabei sehr gut kennen. Als erstes wird ein Gespräch mit den Eltern geführt. Hier haben die Eltern die Möglichkeit, detailliert über den Verlauf der Schwangerschaft, Geburt, die Zeit mit dem neugeborenen Kind und über die weiter Entwicklung bis zum jetzigen Zeitpunkt zu berichten. Ein speziell entwickelter Fragebogen dient bei diesem Gespräch als roter Faden. Wichtig ist nicht nur der Verlauf von Schwangerschaft und Geburt, sondern auch das Befinden des Neugeboren direkt nach der Geburt, mit Geburtsgewicht, gegebenenfalls Sauerstoffunterversorgung, intensivmedizinischer Versorgung, Schädelverformung bei der Geburt, Gelbsucht, oder auch Probleme beim Stillen oder Füttern. Insbesondere ist die Kindheit bis zum Eintritt in die Schule von großem Interesse. Verzögerungen in der Bewegung, Grob- Feinmotorik, Erkrankungen, eventuell mit hohem Fieber, oder sogar Fieberkrämpfen, insbesondere in den ersten 1 ½ Jahren, Sprachentwicklung, Impfreaktionen oder auch Bettnässen werden in der Gesamtbetrachtung des Kindes berücksichtigt und mit einbezogen. Nach diesem Gespräch wird der Fragebogen ausgewertet. Finden sich hier Anhaltspunkte, die auf eine neuromotorische Unreife auf Grund von fortbestehenden frühkindlichen Reflexen hinweisen, wird ein zweiter Termin für eine umfassende Überprüfung des Entwicklungstandes des Kindes vereinbart. Weil das Kind am Morgen noch ausgeruht und voller Energie ist, eignet sich diese Zeit besonders gut für den ca.3 Stunden langen Test. Am besten trägt das Kind leichte Sportkleidung mit kurzen Hosen, sodass die Knie unbedeckt sind und beobachtet werden können. Der Test umfasst den fein- und grobmotorischen Bereich, den Gleichgewichtssinn, Bewegungsmuster, wie z.B. das Krabbeln oder Hüpfen, die verschiedenen frühkindlichen, primitiven Reflexe, aber auch Halte- und Stellreaktionen, Amphibien-, Roll-, Landau- und Babinski Reflex, Überprüfung der Lateralität, rechts-, links, oder auch überkreuz, sowie die Augenmuskelfunktionen. Der erste Teil des Testes besteht aus körperlichen Übungen, während sich der zweite Teil, auf das Abzeichnen, Malen und Schreiben konzentriert. Hier werden unter anderem Auge- Handkoordination, Griffweise des Stiftes, visuelle Wahrnehmung und Schriftbild beobachtet und bewertet. Zumindest ein Elternteil ist bei der Testung anwesend. Die Übungen werden ausgewertet, und es findet ein weitere Termin, möglichst mit beiden Elternteilen, aber ohne Kind, statt. Hier bespricht man mit den Eltern das Ergebnis jeden einzelnen Tests, damit die Eltern genau und detailliert informiert sind und insbesondere wissen, wie ihr Kind die einzelnen Tests bewältigt hat, welche Reflexe oder Auffälligkeiten bei der Testung zu beobachten waren. Jeder Test, jede Beobachtung wird nochmals auf der Basis des INPP bewertet und besprochen. Diese intensive Bearbeitung der Testergebnisse ist äußerst wichtig, um den Eltern nochmals aufzuzeigen, worauf Aktionen und Reaktionen ihrer Kinder möglicherweise zurückzuführen sind. Ziel ist es, die Eltern für das Verhalten ihrer Kinder kenntnisreich zu sensibilisieren. Mit diesem zusätzlichen Verständnis für das Kind fällt der alltägliche Umgang miteinander in der Familie oft leichter. Nach diesem erklärenden Gespräch mit den Eltern findet erneut ein Termin mit dem Kind statt. Hier werden nun Eltern und Kind mit dem Übungsprogramm vertraut gemacht. Es ist wichtig, die Übungen genau zu erklären und einzuüben. Das alltägliche häusliche Programm beginnt. Ca. 1 ½ Jahre muss das Kind nun möglichst jeden Tag 5 bis 15 Minuten trainieren. Individuell auf das Kind bezogene und gemäß des Befundes abgestimmte Übungen werden zusammengestellt, die jeweils über einen bestimmt Zeitraum, meist ca. 8 Wochen und länger, durchgeführt werden sollten. Erst wenn die einzelne Übung langsam und präzise durchgeführt werden kann, wird sie durch den neurophysiologische Entwicklungsförderer von einer weiterführenden Übung abgelöst. Erst dieser lange Zeitraum wird es dem Gehirn ermöglichen, das Bewegungsmuster abzuspeichern. Manche Übungen beziehen sich auf die embryonale oder fötale Zeit im Mutterleib, andere auf die Geburtsphase, wiederum Weitere auf die nachgeburtliche Zeit, in welcher die primitiven Reflexe langsam gehemmt werden und durch Kopf- und Stellbewegungen abgelöst werden.  Daher finden einige der Übungen auf einem Stuhl statt, was die Zeit im Mutterleib simulieren soll, andere auf dem Rücken liegend, dann auf dem Bauch, oder später im Vierfüßer-Stand. In die Übungen wird der sogenannte "Touch Count" eingearbeitet. Er ermöglicht den Kindern über die Berührung des Körpers ihre gesamte Aufmerksamkeit zu erhöhen. Fünf Berührungen erfolgen überkreuz und in unterschiedlicher Intensität. Das Kind zählt laut mit geschlossenen Augen mit. (Bilaterale Integration) Mutter, Vater oder auch beide Elternteile werden so in das Training eingebunden und so zu sicheren Trainern für ihre Kinder. Anfangs sollte ein Elternteil die Übungen stets begleiten, beobachten und korrigieren. Ältere Jugendliche können später die Übungen ggf. auch alleine durchführen. Nach 6 bis 8 Wochen findet dann die erste Wiedervorstellung statt. Eltern und Kind berichten ihre Erfahrungen. Der neurophysiologische Entwicklungsförderer überprüft die Durchführung der Übungen, testet erneut die behandelten Reflexe und Bereiche und entscheidet dann, ob und mit welcher neuen Übung des Programms fortgefahren wird. Nach dieser erneuten Vorstellung trifft man sich alle 8 Wochen mit Eltern und Kind. Stets werden die entsprechenden Bereiche erneut getestet und das Bewegungsprogramm angepasst. Nach ca. 1 ½ Jahren sollten keine Restreaktionen mehr zu beobachten sein. Die Reflexe sollten zu diesem Zeitpunkt gehemmt und die Schwierigkeiten deutlich vermindert sein. INPP Fragebogen für Kinder