im Osteland Gesundheitszentrum Hemmoor Symmetrisch Tonischer Nackenreflex (STNR). Er entsteht zur Mitte der Schwangerschaft in der 20.SSW. Ebenso wie der ATNR und der TLR ist er bei der Geburt vorhanden und ist ebenfalls für das Durchqueren des Geburtskanals von Nöten. Eventuell soll er sogar dem Neugeborenen ermöglichen, sich über den Bauch der Mutter zur Brust zu bewegen. Nach der Geburt verschwindet dieser Reflex, um dann im 9. Monat wieder für etwa 2 Monate präsent zu sein. Beugt das Kind im Vierfüßerstand den Kopf Richtung Brust, beugen sich die Arme mit und die Beine strecken sich. Hebt es den Kopf nach hinten über die Wirbelsäule hinaus strecken sich die Arme und die Beine beugen sich, eine Position, in der manche Kinder bis ca. zum 3. Lebensjahr auch schlafen. Dieser Reflex bildet ein wichtiges Stadium zwischen der Bauchlage und dem Krabbeln. Er hilft dem Kind, sich gegen die Schwerkraft auf Hände und Knie aufzurichten. Außerdem wird vermutet, dass er die Akkommodation des Auges trainiert. Hebt das Kind den Kopf, wird die Fernsicht geschult, senkt es den Kopf, die Nahsicht. Um jedoch vorwärts zu kommen, muss der Oberkörper unabhängig vom Unterkörper agieren können, was bei bestehenden STNR erschwert ist. Es scheint, als würde das Hin- und Herschaukeln des Kleinkindes vor der Krabbelphase den STNR hemmen. Gelingt das nicht, kann oft das Phänomen des "Po Rutschens" beobachtet werden, oder auch des sogenannten "Bärengangs". Dass das Krabbeln für die weitere Entwicklung von größter Bedeutung ist, wurde bereits bei der Erklärung des ATNR und der Lateralitätsbildung ausgeführt. Durch das Krabbeln werden zum ersten Mal die eigene Wahrnehmung, der Gleichgewichtssinn und das visuelle und auditive System miteinander verbunden. Zum ersten Mal arbeiten sie zusammen. Die Augen müssen die Mittellinie kreuzen um nach links und rechts und auf die Hände zu schauen. Die Auge-Hand-Koordination beginnt zu reifen, denn nur mit einer ausgereiften Koordination ist es später möglich, über die Seitenmitte hinaus problemlos zu lesen, oder auch einen Stift mit der Hand zu führen und mit den Augen zu verfolgen. Interessanter Weise entspricht der Abstand zwischen Augen und Hand beim Krabbeln genau der Entfernung, in welcher später das Lesen und Schreiben stattfindet. In wissenschaftlichen Untersuchungen hat man herausgefunden, dass in Gruppen von Kindern mit Lese- und/oder Rechtschreibschwächen auffällig viele Kinder waren, die überhaupt nicht gekrabbelt sind. 1996 haben die Professorinnen O´Dell und Cook am Bender-Institut festgestellt, dass es einen deutlichen Zusammenhang zwischen fortbestehendem STNR und ADS, sowohl mit als auch ohne Hyperaktivität gibt. Miriam Bender, eine Ergotherapeutin, verglich in den siebziger Jahren eine Gruppe von Kindern mit Lernschwierigkeiten und Konzentrationsstörungen mit einer Gruppe ohne Lernschwierigkeiten und fand heraus, dass aus der ersten Gruppe bei drei von vier Kindern der STNR nicht vollständig gehemmt war. Sie entwickelte daraufhin eine Anzahl gezielter Bewegungsübungen, um den STNR gezielt zu hemmen. Mit der Hemmung des Reflexes als Folge von bestimmten Bewegungsübungen verbesserte sich das Schreiben und Lesen. Interessant hierbei war auch, dass die Kinder mündlich weit bessere Leistungen zeigten als schriftlich. Zu ähnlichen Erkenntnissen gelangte 2000 auch Sally Goddard-Blythe. Sie überprüfte 54 Kinder mit der Diagnose Legasthenie und fand bei 73% der Kinder Reste des STNR oder ATNR. Betroffene Kinder fallen meist durch ihre schlechte Haltung sowohl im Stehen als auch im Sitzen auf. Da es ihnen Schwierigkeiten bereitet, Ober- und Unterkörper voneinander getrennt zu bewegen, flegeln sie sich auf ihren Stühlen. Beim Schreiben liegt der Kopf auf der Tischplatte, die Beine werden auf den Stuhl genommen und angezogen, da es sich für sie als äußerst schwierig erweist, bei einer gebeugten Hüfthaltung ebenfalls die Ellenbogen zu beugen, denn diese wollen so wie der Oberkörper in die Streckung gehen. Bei anderen Kindern beobachtet man, dass sie die Beine um die Stuhlbeine schlingen um dadurch einen festen Halt zu bekommen. Das Abschreiben von der Tafel stellt eine extreme Herausforderung an diese Kinder dar, da sich der Kopf ständig heben und senken muss und damit durch die Macht des Reflexes sich auch Arme und Beine ständig beugen und strecken. Die Kinder brauchen außerordentlich viel Energie, diesen Reflex zu bändigen und haben daher nur bedingte Reserven zur Verfügung, sich auf die Tafel und den Unterrichtsstoff zu konzentrieren. Trotz dieser Bemühungen wirken sie unruhig. Auch das Schwimmen erlernen die Kinder nur mit Schwierigkeiten, weil sie den Körper nicht auf einer Ebene halten können. Unter Wasser fällt es ihnen jedoch leichter, weil das Wasser ihren Körper unterstützt. Das fällt besonders beim Brustschwimmen auf. Eine typische Haltung der Kinder, welche den STNR nicht integriert haben, ist der sogenannte W-Sitz. Das Kind sitzt zwischen den Beinen und hat die Beine links und rechts abgeknickt. schlechte Haltung Ziehen im Sitzen die Beine auf den Stuhl oder um die Stuhlbeine geschlungen Kopf liegt beim Schreiben auf der Tischplatte Schwimmen wird nur mit Schwierigkeiten erlernt Schwimmt unter Wasser W-Sitz